Lage. Gefalzte, mit Streifen oder durch schmales Übereinanderkleben (Gegeneinanderhängen) heftfertig gemachte Lage; lässt sich auch durch Ineinanderstecken gefalzter Papierbogen bilden.

Laminieren. Bekleben von Papieren mit durchsichtigen Folien.

Laufrichtung. Jedes von der Maschine kommende Papier hat eine Laufrichtung. Man versteht darunter die Lage der überwiegenden Mehrzahl der Fasern in einem Bogen. Die Bezeichnung "Schmalbahn" bedeutet, dass die Fasern parallel der breiten Seite, "Breitbahn", dass sie parallel der Schmalen laufen. Noch um die Jahrhundertwende kannten die wenigsten Buchbinder, was unter L. zu verstehen ist. Zu lange haben sie mit handgeschöpftem Büttenpapier gearbeitet, das ja bekanntlich keine L. hat. Erst Prof. Joh. Rudel erklärte in einem Fachaufsatz, was unter L. zu verstehen ist.

Leder. Gegerbte Tierhaut. Die Gerbstoffe wie Eichenlohe, Myrobalanen, Dividivi, Quebracho, Sumach u. a. lösen die in den Häuten noch enthaltenen Eiweißstoffe, so dass sich die Lederfasern bewegen können. Die Gerbstoffe setzen sich dabei an die Stelle der Eiweißstoffe und rufen das charakteristische Knirschen der L. hervor, wenn sie gerieben werden. Weiße Schweinsleder sind mit Alaun gegerbt mit Chrom die haltbaren, gummiähnlichen "Chromleder", die die Buchbinderei aber nicht verwendet. Zu Leder können alle Tierhäute gegerbt werden, wobei Schafleder wegen ihrer lockeren Beschaffenheit am wenigsten haltbar sind. Sie sind als "Volleder" und gespalten im Handel, werden bei "Spaltleder" mit einer farbigen Deckschicht versehen und künstlich genarbt. Verwendung für Kalender und Reklameartikel, für Buchrücken bei wohlfeilen Verlagseinbänden. Kalbleder ist lohgar, also naturell, im Handel, seltener gefärbt. Es wird mit den Jahren brüchig, eignet sich aber gut für Blinddruck- und Lederschnittarbeiten. Schweinsleder, wegen seines Restfettgehaltes sehr haltbar, wird "lohgar", "weiß" und "Iondoncolor" gehandelt und für Buchbinder immer ungefärbt im Handel, lässt sich blind drucken und vergolden. Schweins- leder lässt sich an den drei nebeneinander stehenden Borstenlöchern erkennen; bei nachgeahmten Schweinsledern werden die Borstenlöcher nur eingedrückt. Von Ziegen kommen die edelsten Sorten. Am schönsten und haltbarsten sind die großfelligen Kapziegenleder, meist "Maroquin" genannt. Sie werden wegen ihrer Dicke oft "ausgefalzt", im ganzen Fell dünner gemacht, geliefert. Deutsche Maroquins haben einen weicheren Narben und sind ohne Heckenrisse und andere Fehler. Maroquins mit geglättetem Narben heißen "Maroquins ecrasé". Bei ihnen ist der Narben dunkler als der Fond. In kleinen Fellen fallen afrikanische und europäische Ziegenleder an. "Oasenziegenleder" sind meist fehlerfrei, "Karawanenziegenleder" haben Heckenrisse, Quaddeln von Stechfliegen. "Nigerleder" werden von den Negern gegerbt, sind naturell und rot gefärbt im Handel. Alle diese Ziegenleder haben Naturnarben und stehen in der Haltbarkeit den Maroquinledern nicht nach. Sie sind immer sumachgegerbt. "Saffiane" sind deutsche und ausländische Ziegenleder mit Perlnarben. Aus Indien kommen Felle einer Schafziegenart, die Haare statt Wolle trägt, sie sind aber wegen der bei ihnen verwendeten schädlichen Pflanzengerbstoffe weniger haltbar. Man bezeichnet sie als "Bockleder". Der "Rote Verfall", der ein Zerzundern des Leders ist, ist bei den ostindischen "Bockledern" besonders häufig anzutreffen. Diese werden deshalb eher bei Verlagseinbänden als bei Handeinbänden eingesetzt. Rind- und "Juchtenleder", dessen charakteristischer Geruch von einer Tränkung mit Birkenteeröl herrührt, wird seltener benützt. Juchtenleder haben einen aufgepressten Spitzkaronarben, der mit Rollen eingedrückt wird. Andere Leder, wie Schlangen- oder Fischleder, haben in der Buchbinderei keine Bedeutung. Echte Samtleder werden aus Hirschhäuten hergestellt, sind aber Fleischspalte von Schaf- oder Ziegenledern, die durch Schleifen gesamtet werden. Aus gemahlenen Lederabfällen wird für industrielle Zwecke ein Lederersatzmaterial hergestellt: "Salpaleder". Kunstleder sind appretierte und lackierte Gewebe.

Lederkonservierung. Leder trocknet mit der Zeit aus und kann durch Zufuhr von Fett wieder geschmeidig gemacht werden. Meist wird dazu ein säurefreies Lanolinpräparat des "Britischen Museums" benutzt. Schweinsleder enthält noch genügend Restfett, um geschmeidig zu bleiben.

Leim. wird aus tierischen Abfällen gewonnen. Nach dem Auswaschen der gekalkten Häute oder Knochen durch langsames Sieden in Wasser als Gallert gewonnen, auf Schnüren getrocknet - Tafelleim - oder gemahlen. Bester L. ist Hautleim, der aus entgerbten Lederabfällen gewonnen wird. Knochenleim ist billiger, aber säurehaltig; Handelsformen: Flocken, Perlen, Schuppen, Tafeln, Gallerte. Glutinleime packen sehr schnell an.

Leimen. Das Bestreichen von gehefteten Buchblöcken am Rücken mit Warm- oder Kunstharzleimen, um die Lagen miteinander zu verbinden, zu verkleben.

Leinen/Leinwand. Einbandstoff in "Leinenverbindung" gewebt, appretiert, gefärbt und evtl. geprägt in 100 cm breiten Rollen im Handel. L. wurde früher mit Leinengarnen heute mit Baumwoll- oder Zellwollgarnen gewebt. Echt L. ist noch bei Geschäftsbüchergeweben, "Ganzleinen" genannt, zu finden. Sogen. Rohgewebe können aus einer Mischung aus Baumwoll- und Leinengeweben bestehen. ZU den Einbandgeweben zählen Kaliko, Schirting, einseitig appretiertes Mattgewebe und die vielen Sorten von Effektgeweben. Buckram, ei echtes Leinengewebe, wird in England und Amerika aus Leinenzwirnen gewebt. In Deutschland werden Baumwollzwirne verwendet.

Leporello. Harmonikaähnlich auseinanderziehbare Drucksache (Leporelloalben, Leporellofalzung). Nach dem Diener von Don Giovanni aus Mozarts gleich-namiger Oper so genannt.

Quelle: Auszug aus: "Gustav Moessner, "Buchbinder ABC", bearbeitet von Hans Kriechel.