Papeterie. (frz.) Bezeichnung für Schreibwarenladen in Osterreich und in der Schweiz. In französisch sprechenden Ländern wird damit auch die Papierfabrik bezeichnet.

Papierband. Seit 1959 Bezeichnung für eine ganz mit Papier überzogene Einbanddecke, da die ursprüngliche Bezeichnung "Pappband", dessen Einbanddecke aus einem Stück dünner Pappe gearbeitet wurde, nicht mehr zutrifft.

Papierformate. (s.a. g auch Normalformate). DIN-Formate. Sie gehen vom Quadratmetergewicht aus. Das Anfangsformat ist so gewählt, dass jede Halbierung das ursprüngliche Seitenverhältnis bestehen lässt, was bei anderen Formaten nicht der Fall ist. A-O ist das Urformat. Bevorzugt wird die DIN-A-Reihe, während die Zusatzreihen Bund C von der A-Reihe abhängige Formate haben und dann zum Umhüllen oder Verarbeiten der A-Reihe dienen. Die älteren Formatbezeich-nungen werden nicht mehr verwendet.

Papierformate der DIN-Reihen in mm:

Reihe A
Reihe B
Reihe C
0
841 x 1189
1000 x 1414
917 x 1297
1
594 x 841
707 x 1000
648 x 917
2
420 x 594
500 x 707
458 x 648
3
297 x 420
353 x 500
324 x 458
4
210 x 297
250 x 353
229 x 324
5
148 x 210
176 x 250
162 x 229
6
105 x 148
125 x 176
114 x 162
7
74 x 105
88 x 125
81 x 114
8
52 x 74
62 x 88
57 x 81
9
37 x 52
44 x 62
41 x 57
10
26 x 37
31 x 44
41 x 57
11
18 x 26

Papiergewichte. Sie werden in Gramm pro Quadratmeter (g/m2) angegeben. Die dünnsten Papiere wiegen zwischen 8-10 g/m2, übliches Seidenpapier ist 18- 2-1 g/m2 schwer, Dünndruckpapier ca. 40 g/m2, Pergamin 30-40 g/m2, Zeitungsdruckpapier 50 g/m2, Schreibpapier 60-80 g/m2, Werkdruckpapier 80 g/m2.

Papierstoff. Hierzu zählen 1. naturtextile Fasern, auch Hadern oder Lumpen genannt. 2. Zellstoff, 3. Holzschliff.

Papierstoffklassen. Gütebestimmung seit 1904, 1926 gesetzlich festgelegt, 1941 erweitert.

Pappband. Ursprünglich Einbanddecke, die aus einer dünnen Pappe bestand, an die die Gelenke und die Rückenbreite angebrochen wurde (Gebrochener Rücken). Im 19. Jh. wurde der "gebrochene Rücken" unter stärkere Deckel geklebt, die Decke mit Papier überzogen. Seit 1959 wird für die inzwischen noch einfacher gewordene Einbandart der Name "Papierband" vorgeschlagen, da der Rücken nicht mehr aus Pappe besteht. In Frankreich werden Pappbände Cartonnagen genannt.

Pappe. Die P. hat ihren Ursprung im Orient, denn dort waren die mittelalterlichen europäischen Holzdeckel für Bucheinbände unbekannt. Heute kennt man verschiedene Arten von Pappe. Die Grau - oder Buchbinderpappe, die Leder- oder Kartonagenpappe. Daneben gibt es noch die aus Stroh hergestellte "Strohpappe", die allerdings sehr brüchig ist, genauso wie die "Holzpappe". Während der Buchbinder fast ausschließlich Grau - oder Buchbinderpappe, auch "Handpappe" genannt, verwendet, finden Hartfaserplatten, Pressspan- und Wellpappe in anderen Bereichen Verwendung. Die Grau- oder Buchbinder-pappe wird aus Altpapier auf Rundsiebmaschinen hergestellt und kann bis zu einer Dicke von 3 mm gearbeitet werden. Im Gegensatz zu Papier und Karton hat sich die Stärkebezeichnung in g/m2 bei der Pappe nicht durchsetzen kön-nen, sie wird in mm-Stärke gehandelt. Die auf Langsiebpapiermaschinen her-gestellte Maschinen(grau)pappe kann nur bis zu einer Stärke von 1mm gearbeitet werden. Ist sie stärker, müssen mehrere Bahnen aufeinander geklebt werden. Der Buchbinder hat eigene Pappenbezeichnungen. Wenn er z. B. von 30er Pappe spricht, dann soll dies besagen, dass ein Paket von 25 kg Gewicht 30 Pappentafeln enthält.

Pappschere. Wichtige Buchbindermaschine zum Trennen von Papieren, Pappen, Geweben u. a. im Einzelschnitt. Schwache Stapelschnitte sind nur bei dünnen, übereinandergelegten Materialien möglich. Die P. arbeitet mit Ober- und Untermesser, wobei ein fußbetätigter Pressbalken das Material gegen das Verschieben sichert. Sie hat verstellbare Parallel- und Winkelanschläge und wird meist mit Schnittlängen zwischen 105 -120 cm gebaut. Eine Kombination von Pappen- und Kreisschere ist die Gewebeschneidemaschine, die elektrisch angetrieben, Längs- und Querschnitte erlaubt. Es gibt P., deren Pressbalken und Messer elektrisch angetrieben werden. Sie haben aber die Handbetriebenen nicht verdrängen können.

Papyrus. (griech.) Aus den Stängeln und dem Mark der Papyrusstaude hergestelltes Beschreibmaterial. Die Papyrusstaude wächst als Sumpfpflanze in Ägypten. Der Papyrus besteht aus Streifen und Scheiben, die man aus der Staude herausschnitt, übereinander legte und durch Klopfen miteinander verband, wobei der aus den Pflanzenteilen herausquellende Saft die Verbindung der Ein-zelteile untereinander herstellte. Das Material wurde anschließend mit Steinen geglättet. P. ist seit 3500 v.Chr. bekannt und ist der Vorläufer des aus China kommenden Papiers, das vom P. seinen Namen erhielt. Da sich der P. nicht fal-zen lässt, wurden Bücher, die man darauf schrieb, in Rollenform angefertigt. Diese Rollen wiesen oft eine Länge bis zu 40m auf.

Passepartout. (frz.) Rahmen aus bezogener oder unbezogener Holzpappe, dünnem holzfreiem Karton, mit facettiertem Ausschnitt für Graphiken, Bilder usw., Abdeckungen mit größerem Rand als die Einlagen selbst haben. Passepartoutschneidemaschinen haben sich nicht recht einführen können. Es gibt sie auch für runde und ovale Ausschnitte. Fabrikmäßig werden P. gestanzt.

Pergament. Gekalkte, von Haaren und Fleischresten befreite Tierhaut. Nach der kleinasiatischen Stadt Pergamon, in der zuerst P. hergestellt wurde, genannt. Zu P. lassen sich alle Tierhäute verarbeiten, üblich sind P. aus Häuten von Kalb, Schwein, Esel, Ziege und Schaf. P. wird nach dem Kalkbad in Rahmen gespannt und mit Schabeisen von Unreinigkeiten befreit, gebimbst oder mechanisch geschliffen. Es ist praktisch unverwüstlich, hart, schwierig zu verarbeiten und stark hygroskopisch. Als bestes P. wird Kalbpergament geschätzt, wobei die geaderten P. aus den Häuten verendeter Tiere besonders gesucht sind. Die beim Tode eintretende Blutstockung markiert sich im Fell als Aderung. Velin, auch "Jungfernpergament" genannt, ist ein dünnhäutiges P. aus den Fellen tot- oder neugeborener Kälber. P. ist als Beschreibstoff schon 2000 v. Chr. bekannt gewesen. "Echt Pergament" 1853 durch E. Caines erfunden, wird durch Behandlung ungeleimter Baumwoll- und Zellstoffpapiere mit Schwefelsäure zu verhorntem und fettdichtem Papier. Es hat mit Hautpergament nichts zu tun, noch weniger mit den lediglich schmierig gemahlenen, aber chemisch nicht behandelten Pergamentpapieren, die fettdichte Einwickelpapiere sind.

Pergaminpapier. Ein schwach durchsichtiges Papier, das durch lange dauerndes "schmieriges" Mahlen des Rohstoffs und durch scharfes Kalandrieren hergestellt wird.

Pflanzenleime. Aus Kartoffelmehlen gewonnene gelbliche Kaltleime. Durch alkalischen Abbau und nachfolgendes Neutralisieren der Rohstoffe, werden auch schnell anpackende Leime gewonnen, die als "Kaltleime" bezeichnet werden, obwohl auch Kunstharzleime Kaltleime sind. Weiße P., Kleister, werden lediglich mit kochendem Wasser aufgeschlossen, erhalten Zusätze gegen schnelles Verderben und können sowohl aus Kartoffelstärken als auch aus Weizenstärken hergestellt werden. Säurehaltige P. können Papierverfärbungen verursachen. P. gibt es für viele Zwecke, darunter für Sorten, die so stark mit hygroskopisch wirkenden Substanzen versetzt werden, dar; der Klebstoff nicht völlig trocknet lind deshalb als "Plankleber" bezeichnet wird, weil mit ihnen kaschierte Pappen einigermaßen plan liegen bleiben. Durch Wasserentzug können alle P. in Pulverform übergeführt werden. Schnellbinder sind P., die Säurezusätze enthalten und schnell, fast wie Warmleime anziehen.

Prägen. Bedrucken einer Einbanddecke in der Präge- oder Vergolderpresse. Für das P. werden Druckformen aus gravierten Platten und Lettern aus 6,6mm dicken Einzelbuchstaben verwendet. Großauflagen bedingen gravierte Messingplatten, kleinere können chemiegrafisch geätzt sein und dann aus Zink oder Elektron bestehen. Nach 1945 kamen Kleinprägepressen für Einzelzeilen auf, die mit den üblichen Buchdrucklettern und Buchbinder-Messingschriften beschickt werden. Es sind ausgesprochene Titeldruckpressen für den Sortimenter, doch lassen sich in den größeren Modellen mehrere Zeilen einheben und mit Buchdrucker-Schließzeugen schließen. Die Vervollkommnung der Buchbinder-Rollen-Farbfolien führte zum Abgehen von den pastigen Buchbinderprägefar-ben, da sie besser decken und sich ohne Schwierigkeiten handhaben lassen.

Prägepresse. Die ersten P., "Stockpressen" genannt, weil mit ihnen die zunächst aus Holz, später aus Messing bestehenden "Stöcke" aufgepresst wurden, hatten Holz-, später Messingspindein, mit denen der nötige Druck ausgeübt werden konnte. Das eingebundene Buch musste aufgeklappt so auf untergelegte Holzklötze gelegt werden, dass der Buchblock mit dem Hinterdeckel herabhängen konnte.
Der "Stock" oder die Messinggravur musste freihändig auf die Decke gesetzt werden. Blinde Hilfslinien erleichtern das Einrichten. Der Buchbinder machte zunächst einen blinden "Vordruck" mit dem "Stock", grundierte ihn mehrfach mit Eiweiß, legte Blattgold auf und setzte die inzwischen erhitzte, ca. 20 mm dicke Prägeplatte freihändig in den Vordruck, ohne das Blattgold zu verreiben und drehte den Pressenkopf mit Hilfe der Spindel auf den "Stock". Diese umständliche und ungenaue Handhabung erklärt, wieso so viele schiefe Plattendrucke auf alten Büchern vorkamen. Das wurde erst anders, als die modernen Prägepressen aufkamen, die ein genaues "Einrichten" erlaubten, aber nicht mehr auf das Prägen bereits gebundener Bücher eingerichtet sind. 1832 wird die erste, mit glühend gemachten Eisenbolzen beheizte Prägepresse von Thomas de la Rue in London nachgewiesen. Mit dem Aufkommen der Gasbeleuchtung wurden die Prägepressen mit Gas beheizt. Karl Krause brachte 1857 in Leipzig die erste deutsche Prägepresse heraus und leitete damit bei uns die industrielle Bucheinbandherstellung ein. Moderne Prägepressen, zum Teil viersäulig, für schwerste Prägungen, sind elektrisch beheizt, haben automatisch arbeitenden Rollenfolien-Vorschub und legen die Decken vom Stapel an und ab. Es wurden P. entwickelt, die mit runden Tischen versehen sind und das Deckeneinlegen außerhalb der Pressen erlauben; sie können zwei oder mehrere Prägeköpfe für bestimmte Prägeaufgaben haben, sie können auch so gebaut sein, dass auf einem Doppeltisch eine Decke aufgelegt wird, während die zweite unter Druck steht. Während jetzt das Prägen mit gravierten Platten überwiegt, war bis etwa 1918 das Titelprägen mit Messinglettern aus Ersparnisgründen üblich. Das bedingte das Letternaufkleben mit "Wiener Papp". Versuche, ähnlich wie es die Buchdrucker handhaben, die Letter mit Schließzeugen zu schließen, blieben unbefriedigend, weil die nur 6,6 mm hohen Lettern dafür nicht geeignet waren. Es wurde versucht, die Typen mit schwalbenschwanzartigen seitlichen Nuten zu versehen, um die Lettern auf T-förmige Stege schieben zu können. Der Vorschlag, die Messingtypen am Fuß mit Eisenplatten zu bestücken, um sie magnetisch anhängen zu können, scheint nie realisiert worden zu sein.

Quelle: Auszug aus: "Gustav Moessner, "Buchbinder ABC", bearbeitet von Hans Kriechel.