Vorsatz. Das dem Buch vorgesetzte Papier. Meist Doppelblätter, von denen eine Seite auf die Deckelinnenpappe geklebt und "Spiegel" genannt wird. Das freie, vor und nach dem Text befindliche Blatt, wird "fliegendes Blatt" genannt. Es kann vorgeklebt, um die erste und letzte Lage gelegt oder umgehängt sein. üblich ist das vorgeklebte V. Bessere V. können aus mehreren Blättern bestehen und werden dann vorgeheftet, sie können sichtbare Leder- oder Gewebefälze bekommen, sind aber üblicherweise mit einem Gewebestreifen um den Falz verstärkt. Bei Verlagsvorsätzen übernimmt die auf die Vorsätze reichende Heftgaze die Vorsatzverstärkung. Bei besten Handeinbänden können die V. aus Seide, Leder oder Pergament bestehen. V. haben in erster Linie eine Schutzfunktion. Lithographierte V., wie sie vor 1914 üblich waren, heißen "Leipziger Vorsätze". Brokatvorsätze sind Firnisbronzepapiere, seltener mit Schlagmetall belegt. Bei farbigem V. wird das "fliegende Blatt" auf vakate, weiße Vorsatzblätter geklebt. Vorsatzpapiere sind meist zwischen 80-120 g/m2 schwer, holzfrei und wurden vor 1914 auch marmoriert, wobei V. und Buchschnitte das gleiche Marmormuster hatten. Das von Ignatz Wiemeier weiterentwickelte "Zickzack-Vorsatz" wird nur bei besten Franzbänden angewendet. Es hat im Bruch (Falz) eine verdeckte Falte, die sich beim Öffnen hebt und die Spannung im Gelenk vermindert.


Quelle: Auszug aus: "Gustav Moessner, "Buchbinder ABC", bearbeitet von Hans Kriechel.